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Blogeinträge (themensortiert)

Thema:

Eingemachtes

Was Sie noch nicht wussten

oder:

Die Sache mit dem Einmachglas





Ans Eingemachte



Das da oben ist eindeutig ein Einmachglas. Passend zur Jahreszeit. Nicht, daß Sie sich wundern oder denken, ich hätte mich angesichts der herannahenden Sommerzeit auf die Kirschensaison vorbereitet. Es ist ja bekannt, daß mit mir nicht gut Kirschenessen ist, (ich verweise auf meine diesbezügliche Lyrik unten). Man kann nicht alles .... Wer trotzdem mit mir Kirschen essen gehen möchte, bitte, den will ich nicht davon abhalten. Auf eigene Gefahr, versteht sich. Falls es einen Garten gibt, unter dem man überhaupt noch Kirschen in freier Natur direkt vom Baum ...


Ich weise aber vorsichtshalber schonmal darauf hin, dass das Einmachglas für neue deutsche Transparenz steht. Daten- und Personenschutz, Sicherheit und so. D.h. auf gut deutsch, jede Bewegung von Normalbürgern wie mir wird ja sowieso auf Schritt und Tritt begleitet, wozu wir ja auch weitgehendst unsere Einwilligungen geben, also von Bankbesuch über Einkauf und Konsumgewohnheiten elektronisch erfasst werden. Es war aber bisher doch weitgehendst so, daß ein paar Gewohnheiten unter "Privatsphäre" unangetastet blieben.


D.h. wer wann und wie je mit mir Kirschenessen ging, blieb immernoch weitgehendst mein eigenes Geheimnis. Heute kann man immernoch davon ausgehen und sicher sein, nicht elektronisch erfasst zu werden, oder dass womöglich eine Rolle spielt, wieviele Kirschen ich von der Hand in den Mund mit oder ohne Kirschkern esse. Zum Beispiel.


Also es gibt immernoch ein paar Angaben zur Person, die der Freiwilligkeit unterliegen. Aber sie arbeiten auch daran...nicht nur zu Konsumzwecken und Marktforschung.


Nicht, daß ich etwas gegen Daten-, Personen - und Verfassungsschutz hätte, wenn es das Gefühl der Sicherheit erhöht. Bisher wurden ja eh' schon alle Bank- und sonstigen Bewegungen zwischen Computer und Klo, Haustür und Lokalredaktion nachvollzogen, personenspezifische Erkenntnisse wie Gewohnheiten und Rituale daraus abgeleitet und zu Persönlichkeitsprofilen verarbeitet. Aber so banale Sachen wie das Geheimnis um die Kirschkerne hätten sie auch direkt von mir erfahren können, dazu bedurfte es keines Abrufs z.B. des Bundeszentralregisters oder Führungszeugnisses oder sonstiger Register. Man muss ja auch an die Kosten denken...diese ganze Technik...viel zu aufwändig für meine Person. Ich lebe ja in einfachen gutbürgerlichen Verhältnissen, also langweiliger geht's gar nicht mehr.


Aber ich habe mir auch so meine Gedanken gemacht und sollte diese vielleicht als Anregung im Sinne eines konstruktiven Verbesserungsvorschlags an diesen Dienst schicken, wie heissen die gleich noch? Ich bin schon lange für die Sache mit dem Chip, der ins Gehirn eingesetzt dem Gedanken angeheftet wird und ihm vom Ursprung des Entstehens bis zum sichtbaren Fertigprojekt auf dem Fuße folgt, damit man endlich den Verlauf von der Inspiration über die Idee durch die Träume hindurch bis zum Aufwachen mitverfolgen kann. Es wäre auch praktisch, wenn der Traum direkt beim Aufwachen schonmal auf den eigenen PC übertragen würde, wie es ja manche Funk-Sportuhren mit den Laufdaten zwischen Herzfrequenz und Laufgeschwindigkeit machen, damit man in aller Ruhe frühstücken kann und nach dem Frühstück nachlesen kann, was man worüber geträumt hat und solchermaßen auf dem PC abgespeichert können die Datenschützer es dann auch direkt mitabrufen und wenn sie meinen, daß Gefahr von Verzweiflung im Verzug ist oder sich Depressionen anbahnen, soetwas wie ein Vorwarnsystem einrichten. Damit die Seele endlich Ruhe hat. Und urheberrechtlich wäre das nahezu perfekt.


Also ich bin für totale Transparenz. Sehen Sie, was da oben in dem Einmachglas liegt? Durchsichtige Gedanken!! Das sehen Sie nur nicht. Da war auch sich selbst auflösbares Geld drin - weg! Obwohl ich es mit einem Gummiring gesichert hatte.


Und das ist das einzig Sichere, was es noch gibt: Wenn jeder weiss, was in dem Einmachglas drin ist, weil das Nichts keine Farbe hat und völlig transparent ist, dann ist das schon wieder sehr sicher.


Das kann ruhig jeder wissen. Meine einzige Bedingung: Ich möchte informiert werden, wenn jemand während meiner Abwesenheit an mein Einmachglas geht, denn da die Dinge darin transparent sind, sehe ich ja nicht, wenn jemand Zugriff genommen hatte. Oder ob was fehlt. Ich meine, ich kann mir nicht alles merken. Also ich fände das wichtig, daß auch ich meinerseits über solche Absichten, Bewegungen und Vorfälle informiert würde und meine eigene Datenbänke über die Personen und deren Motivation anlegen könnte. Diese Daten könnte ich dann in meinem Einmachglas aufheben. So könnte im Zeitalter der Informationsgesellschaft jeder über jeden das wissen, was ihn wirklich interessiert und müsste sich nicht mit Gedanken belasten, die er gar nicht angefordert hat. Was interessieren mich die Essgewohnheiten meiner Nachbarin oder was die geträumt hat?

Ich werde mir die Idee patentieren lassen. Jetzt kommt sie aber erstmal über Nacht in dieses Einmachglas, ich hoffe, sie ist morgen beim Erwachen noch da. Ich werde darüber träumen. Gute Nacht. Meine wirkliche Vorliebe für Marmeladen mit Chili oder Pfeffer verrate ich eh' niemandem, der es nicht verdient hat.


(c)Ulrike M. Dierkes,2007





Neulich,
es ist länger her,


sagte Jemand,
mit mir sei
nicht gut
Kirschen essen.

Ich war sehr erstaunt,
denn ich erinnerte mich
nicht, mit dem Kirschen
essen gewesen zu sein.

Da mich immer der Kern
der Wahrheit interessiert,
ging ich in mich und überlegte,
warum jemand sagt,
mit mir sei nicht gut Kirschen essen

Ich esse immer
die Kirschkerne
mit!

Ich ignoriere
manchmal den Kern!

Ich schlucke
Zuviel!

Mir fiel ein,
dass ich mal
mit Jemandem

Oliven essen war

Plötzlich fragte der:
"Haben Oliven
keine Kerne?"

Ich sah ihn an
erstaunt, und fragte:
"Wie?


Haben Oliven
etwa Kerne?!"
und grinste.

Vorsichtig
irritiert blickend
nahm er eine
meiner Oliven,
und:
verschluckte sich
prompt

Ob er jetzt sagt:
mit mir sei nicht
gut Oliven essen!?


(Ulrike M. Dierkes, 2005)

 


 

Nickname 04.06.2007, 14.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Masato
Interessanter und unterhaltsamer Blog!
Lassen Sie sich nicht verbiegen!
Grüße!
20.3.2012-12:05
Alexandra.
Ich möchte nicht schleimen. Will Ihnen nicht sagen welche Bücher ich von Ihnen gelesen habe. Oder Sie bemitleiden. - Ich möchte Ihnen lediglich sagen, das ich es gut finde, das Sie existieren, leben & überlebt haben. Die Welt braucht Menschen wie Sie. - Menschen die den Mund auf machen. Lassen Sie ihn sich bitte niemals verbieten.

Liebe Grüße.
13.12.2011-13:23
Maria
Hallo Frau Dierkes!...gerade habe ich Ihr Buch zu Ende gelesen... Ich bewundere Sie sehr, für Ihren Lebensmut, dass Sie nie aufgehört haben zu kämpfen und ein Zeichen setzen! Da ich selber in der Nähe von Münster lebe, kann ich die Beschreibungen, Ignoranz und das Weggucken der Münsterländer, so gut nachvollziehen... Wie wunderbar, dass Sie immer an sich geglaubt haben!!!!!! Auf dass es mehr Menschen gibt, die sich trauen etwas zu sagen, nicht wegsehen,kämpfen und gewinnen.

Sie haben so viel getan und erreicht, ich wünsche Ihnen für alles weitere genauso viel Kraft, Mut und starke Menschen an Ihrer Seite!
Viele Grüße aus dem Münsterland, Maria.
8.11.2011-1:24
Andrea
Liebe Frau Dierkes

Ich kaufte Ihr Buch Schwestermutter vor paar Wochen, habe mir das Buch aber nicht gleich zum lesen hingelegt. Ich schätze, ich wusste warum.

Dieses Buch ist so schonungslos,"grausam" geschrieben, hinsichtlich dessen, was Inzestkinder und deren Mütter selbst heute noch, in unserer Ach so aufgeschlossenen Gesellschaft erdulden müssen... Ich brauchte 3 Anläufe bis ich Ihre Buch zu Ende lesen konnte. Es hat mich zutiefst betroffen gemacht. Ich bewundere aber auch Ihren Mut, Ihre Kraft und Durchhaltewillen, nicht unterzugehen,sondern für Ihre Rechte zu kämpfen. Ihr Recht zu leben, zu lieben und geliebt zu werden.

Frau Dierkes, ich wünsche Ihnen und Ihrer Stiftung alles erdenklich Gute, Kraft und Durchhaltewillen, all jenen zu helfen, die nicht soviel Lebensmut in sich tragen, wie Sie es in sich hatten und noch immer haben.

Liebe Grüsse aus der Schweiz, Andrea
7.7.2011-13:42
Isabella
Liebe Frau Dierkes!
Ich bin nicht durch Zufall auf ihr Buch gestoßen.
Vor etwa einem Monat erzählte mir meine Mutter, dass ich eine Schwester habe, die auch meine Tante ist. Als erste Reaktion habe ich Bücher zu dem Thema gesucht und bin sofort auf Ihres gestoßen.
Es hat mich wirklich sehr berührt und mir sehr weitergeholfen!
Vielen Dank!
19.10.2010-18:02