Autorenblog
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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Literatur

Ausmisten und Schreiben

Hungerlohn - oder: ich glaube, mich tritt ein Pferd

Soundtrack: Bitte Pferde nacheinander anklicken und singen lassen!

***

Da soll einer sagen, Schreiben sei eine brotlose Kunst. Mal ganz abgesehen vom jährlich stattfindenden Schriftstelleressen, bei dem kein Kollege verspeist, aber jede Menge geistige Nahrung zu sich genommen wird, flattert mir doch tatsächlich ein Angebot der besonderen Art auf den Schreibtisch oder genauer gesagt: per e-Mail auf den heimischen Bildschirm und dies lautet tatsächlich so:



„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich biete für Sie und Ihre Autorenkollegen (Forum) DEN Platz, wo Sie in Ruhe Ihren Best-seller schreiben können.“



Oh, da schaut man als Nichtbestsellerautorin ja schon mal näher hin, denn wer sehnt sich nicht nach einem lauschigen Plätzchen, womöglich mit Hüttencharme oder gar am offenen Meer?



Aber es geht noch weiter:



“Ich bitte Sie mein Angebot zu prüfen und in Ihrem Forum bzw. auf Ihrer Homepage zu veröffentlichen. Für Ihre Unterstützung danke ich Ihnen ganz herzlich.“



Naja, also wenn’s mehr nicht ist und ich dafür ein lauschiges Plätzchen mit Bestseller-Garantie erhalte.


****


“Hier finden Sie DEN Platz, wo Sie in Ruhe Ihr Buch schreiben können!* Wir bieten für Autoren zum Schreiben ihrer Bestseller den idealen Platz“...



und jetzt wird’s interessant: „...mit viel Ruhe in herrlichster Umgebung und gleichzeitigem körperlichen Ausgleich zur Ideensammlung.“



Das mit der Ruhe lässt sich ja noch gut an, wobei manchmal auch eine gewisse Geräusch-kulisse menschlicher Töne nicht unübel sein kann. Kommt drauf an, woran man gerade schreibt. Aber der Zusatz „gleichzeitigem körperlichen Ausgleich“ lässt mich denn doch aufhorchen. Ich meine, ich mache auch meine Pausen. Laufen im Wald, Kaufen in der Stadt, eigentlich ist mein Gleichgewicht körperlicher und sitzender Tätigkeit gut ausbalanciert, aber mal sehen, was geboten wird:



„Für einen *Arbeitsaufwand von ca. 4 Stunden* täglich können Sie auf unserem familienbe-triebenen Seminar- Pferdehof *bei freier Unterkunft und Verpflegung* leben. Die tägliche Arbeit besteht aus: Stalldienst (Ausmisten und Versorgung der Pferde), Hilfe in der Küche und im Gästebereich. Fachkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich, aber Zuverlässigkeit und selbständiges Arbeiten erwünscht.“



Jetzt bin ich aber platt, um nicht zu sagen sprachlos. Also die Mithilfe am firmeneigenen oder privaten Herd oder der Küche würde ich ja eventuell noch zusagen, bin ich es doch gewohnt, meinen Teller selber zu spülen und bisher nicht auf die Idee gekommen, mein eigenes heimi-sches Domizil bestsellerträchtig gegen Mithilfe im Haushalt anzubieten, aber warum eigentlich nicht? Da liegt noch ein Stapel ungebügelte Oberhemden...möchte jemand? Aber Ausmisten, wo ich selber weder Hund und Katze habe? Und dann noch den Pferdestall? Ich meine, wenn ich durch den Wald laufe und mir hoch zu Ross Reiter entgegen kommen, ging ich bisher davon aus, dass die selbstverständlich das hohe Ross, auf dem sie sitzen, auch selber pflegen, nie wäre mir in den Sinn gekommen, es könne sich um autorengepflegte Gäule handeln.



„*Lust auf neue Impulse?* Gerne können Sie auch am Unterricht oder bei den Seminaren teilnehmen. Unseren Seminar- und Meditationsraum können Sie gerne mit nutzen. Näheres finden Sie auf unserer Homepage *www.pferdehof-steinhauser.de.*“



Also den Besuch auf der Homepage spare ich mir lieber, denn ich frage mich gerade, was, wenn aus dem Geschriebenen dann doch kein Bestseller wird?



Kann ich beim Finanzamt oder der Künstlersozialkasse eintragen: „4 Stunden Ausmisten eines Pferdestalles gegen ein ruhiges Plätzchen“ müsste ja auch für den Lebensabend und ein Ruhekissen reichen und sind in Abzug zu bringen?



Es geht sogar noch weiter:



„Wir bewirtschaften als Familienbetrieb (3 Generationen) einen Seminarhof und bieten Kurse und Ferien für 8 Gäste an. Unser Angebot ist der alternative Umgang mit den Pferden. Reiten ohne Trense, TTEAM-Arbeit, Kommunikation mit Pferden, Feldenkrais und Reiten, sowie therapeutische Arbeit.“
Mit den Pferden? Oder an mir selbst?


“Unser Hof liegt am Ortsrand eines kleinen Weindörfchens. Das alles in ruhiger, landschaft-lich reizvollen Umgebung mit viel Weite, alten Wäldern, sanften Hügeln und einem Fluss direkt vor der Tür. Gleichzeitig in der Nähe von berühmten Städten wie Rothenburg o.T., Nürnberg, Würzburg, Dinkelsbühl und vielen kleinen historischen Bilderbuchstädtchen.“



Also mein Schreibtisch steht am Naturschutzgebiet, Botnang direkt vor der Haustür, die schwäbische Alb siebzig Kilometer zur einen Richtung und der Schwarzwald auch irgendwie so 50 KM.



Einmal wöchentlich darf ein Vollbad genommen werden! Aber nur, wenn die Kehrwoche eingehalten und korrekt durchgeführt wurde. Es besteht das Angebot, meine Autorenlesungen zu besuchen und an meinen Fachvorträgen teilzunehmen Gegen Eintritt, versteht sich. Schließlich stelle ich ja meinen Schreibtischstuhl zur Verfügung, auf dem schon manch gute Sache gelaufen ist. Rein mental versteht sich.



Also was mir an diesem Luxus-Angebot fehlt, ist die Bezahlung in Naturalien. Pferdeäpfel oder so. Biokost.


Also sollte ich zum nächsten Schriftstelleressen auf einem hohen Ross daher kommen, bitte keine falschen Rückschlüsse! Dann bin ich nicht unbedingt etwa dank eines Bestsellers oder bestsellerverdächtigen Schriftstücks aufgestiegen oder hochgekommen oder gar in bessere Kreise geraten, sondern man hat mir mal wieder was vom Pferd erzählt und ich bin drauf reingefallen. Wäre ich 20 und Anfängerin, würde ich das Angebot im Sinne der Lebensschule, nicht Schule des Schreibens, vielleicht sogar näher überprüfen und als Praktikum betrachten, Thema: Ferien auf dem Reiterhof...vielleicht wird’s ja der Renner...



Aber soooo....



nix für ungut!



Frohe Weihnachten und lieber Tannenbaum schmücken.



Ulrike M. Dierkes

Ulrike 20.12.2007, 22.53 | (0/0) Kommentare | PL

Auftraggeber





exempla, Literaturzeitschrift Jubiläums-Doppelband 2004/05, Jahrgang 30/31
 

Ulrike 23.06.2007, 17.21 | (0/0) Kommentare | PL

Hasenliebe




"Unbeschreiblich weiblich" rororo, 1981
Anna Rheinsberg/Barbara Seifert (HG)

Ulrike 23.06.2007, 16.29 | (0/0) Kommentare | PL

Eine Seite

Einseitig

Eine Seite. Ich bin Schriftstellerin, also eine Person, der das Schreiben schwer fällt. Geboren mit einer Feder im Haar. Diese tauche ich Tag und Nacht in die Abläufe um mich herum, den Aktualitäten der Momente, der Gestirne, der Jahreszeit und der Träume, kurz: Zeitgeschehen. Das ist mein Elixier, seit der Computer die Tinte ablöste. Mein Schriftstellergehirn ist rund um die Uhr aktiv, lässt sich nur sehr ungern runterfahren wie ein Computer und wenn, dann nur aus Neugier auf das Leben daneben und die Träume der Nacht.
Es muss Bildern und Gedanken folgen, und das in der Schnelligkeit heutiger Abläufe, die ein hohes Arbeitstempo erfordern. Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Wort, ein Text. Unterbrochen durch den Schlaf ist mein Schriftstellergehirn nachtaktiv wie eine Fledermaus. Bilder, die auf dem Bildschirm meiner Träume auftauchen, werden vom Radarsystem fotografiert und abgespeichert zu Texten. Die einzig wirkliche Unterbrechung, die Herz und Hirn fordern, heisst Bedürfnis. Essen, Trinken, Begegnung, Gedankenpause, Rausgehen und Wiederkommen.
Die natürlichen Feinde schriftstellerischer Gedanken und schöpferischer Tiefgänge heissen Festnetz-und Mobiltelefon, Radiowecker, Informations-und Reizüberflutung. Diese wollen organisiert werden, damit sie nicht zum Störfall werden. Nichts ist schlimmer für einen Denker und Dichter, als aus einem Satz, einem gerade angedachten Zusammenhang gerissen zu werden. So entstehen Texte, Wachsen und Werden,
Werk und Wert eines Poeten.



Ulrike M. Dierkes, 2006

Ulrike 23.11.2006, 18.29 | (0/0) Kommentare | PL

Herzlich willkommen auf meinem Autorenblog




Regentropfen


Das Wetter hielt sich
an die Vorhersage


es ergießt ich
als Regen
in einer Ansammlung
zahlreicher Tropfen
pünktlich über das Land


Ich hatte mich
niedergelassen
und schrieb,


in Gedanken
versunken,


einen Brief,


genauer gesagt
an einen der
Regentropfen


ich war sicher,


er würde mir schon
die Zeit vertreiben


und schrieb, den
herabfallenden
Regentropfen
zuhörend,


einen Brief,


während der Regen
mit seinem eigenen
Echo auf Blech
eine eigene Melodie
komponierte,


Kleine Wassermusik


als meine Gedanken,
Worte und Sätze
plötzlich von einem
herabfallenden Tropfen
auf mein
wasserfestes Blatt
getroffen und unterbrochen
wurden


Zuerst dachte ich



es sei eine Träne
und es hätte mich
gewundert,


wenn mich meine
eigenen Gedanken
zu Tränen gerührt
hätten


die das Blau
meiner Augen
widerspiegeln


dann sah ich,   

 

daß es viel mehr
als ein Tropfen


oder eine Träne

 

war

es war eine
Tintenfee
die sich auf
meinem wasserfesten



Papier
nieder ließ



ich schrieb weiter,
um sie herum



ich schrieb
das Graue
vom Himmel



und hoffte,
daß es blau
werden würde,



so blau
wie meine Augen
und die der
Tintenfee



(Ulrike M. Dierkes, 2007)











Endlich können wir Künstlerinnen der Künstlergruppe Kultu(h)r Neuwied wieder neue Kunstaktionen planen. Die letzte auf dem Luisenplatz in Neuwied liegt genau zwei Jahre zurück.



Kunst unter Bäumen zum Träumen. Darunter auch Lyrik  aus
meiner Feder, leichte Lyrik wie "Café Satz", zündende Ideen:
verpackt in kleinen zündholzschachtelgroßen Päckchen zum
Mitnehmen, Lesen, Zugreifen. 

.












Sommernachtstraum

Auf dem Rasen
zwischen
Himbeerstrauch,

Holzhaus und
Pavillon

genießen wir
die Früchte
des Gartens
und der
Jahreszeit

Basilikum
auf
Tomaten

Der Wind nimmt
einen
Hauch von Duft

Lauch aller Art

wir lassen
geeiste
Himbeeren
auf unseren
Zungen
zergehen

und

leere
Glasschalen
vom
Vanilleeis

stehen


Zauberei
ist,
wenn aus
Himbeerbonbons
Himbeereis
wird

Und wir
Wünsche frei haben,


sobald
Sternschnuppen
wie
kleine
Silberblitze


im Halblicht des

Sternenhimmels
fallen

jedem
einen
Wunsch
erfüllend

sitzen wir,
letzte Sätze redend,
einen Augenblick
und eine
Nacht reicher


in der stiller werdenden
Sommernacht

nur der
Brunnen
plätschert
noch


dann ist es
still
still
kommt
die laue
Sommernacht


die
dunklen
Hecken

werfen
Schatten
so wie die
Palmenblätter
in den
Terrakottatöpfen

die einzigen
Wesen,
die noch
unterwegs
sind


sind

Fledermäuse
Glühwürmchenund
Sternschnuppen

im
Schein
des
Mondes.


Dann entfernen
sich auch unsere
Schatten


und
erliegen
dem
Schlaf


übermannt
von der Zeit



(Ulrike M. Dierkes, 2006)







Still ist der Abend geworden


Still

naht

die laue Sommernacht


elegant: tintenblau


Still

entnehme ich ihr

meine Feder

eintauchend


Satz für Satz.


Will

nicht

mit elektrischem

Silbenhagel


ihre Stille

zerstören.


Will

dir schreiben

was ich denke


was ich fühle

was ich meine


Will

ihr danken


und

dem Froschkonzert

lauschen


das sie mir


durch geöffnete

Fensterflügel


zuträgt


und den

Mitternachtskirchglockenschlag


akzeptieren.


(Ulrike M. Dierkes)











Rose,
du Naturschönheit 


Königin
im grünen Kleid


Ausdruck
zarter Eleganz


Dir allein gilt
Elfentanz

wenn aus Gräsern
Nebel steigen


erste Elfen sich
verneigen


Dich mit Frische
zu benetzen
Diademe aufzusetzen


Perlen
Schimmer


leicht wie Tau
im sommerlichen
Morgengrau


Dreht sich alles

ums Famose
Dasein einer
stolzen Rose.


(Ulrike M. Dierkes)

 
 





Lichtblicke im Mai





Mai 2021



Literaturnacht 21.10.2021 im Dreiländereck




Dieser Flyer lud 2007 zur Langen Literaturnacht in die Galerie Steffen Ost in Weissach/BW. Auch ich konnte unter den bekannten baden-württembergischen Autoren mit literarischen Genüssen zum Gelingen und zur Freude des Publikums beitragen. 

Zwischen Bildern und Skulpturen lasen bekannte Autorinnen wie Ulrike M. Dierkes (Stuttgart), Angelika Kleffel (Stuttgart) und Autoren wie Hans-Joachim Albinus (Leonberg), Michael Bomeier (Renningen), Martin Kirchhoff (Leonberg), Rudolf Kreuzer (Stuttgart), Ferdinand Stein (Magstadt) und Kurt von Suso Stuttgart) Werke aus ihren Federn.

Die Besonderheit lag nicht allein in den literarischen Darbietungen der einzelnen Autorinnen und Autoren, sondern auch in dieser erstmaligen Gemeinschaftslesung und Zusammenstellung der genannten Autorengruppe. In mediterranem Ambiente wurden sowohl gegrillte wie auch literarische Happen und geistige Getränke geboten. Es war eine lange Literaturnacht. Die Autorinnen und Autoren lasen abwechselnd bis Null Uhr, begleitet und unterbrochen durch musikalische Pausen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Landesliteraturpreisträger Martin Kirchhoff.

Seitdem hat sich vieles geändert. Wir sind neue Wege gegangen, konnten Erfolge in den unterschiedlichsten Literaturbereichen genießen,

Und das Schöne: Es wird eine Neuauflage geben. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit alten und neuen Freunden, auf eine spannende Nacht in Lörrach im Dreiländereck in der Luisenstraße 23 

Informationen folgen.


 

 

"Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Wort, ein Text. Unterbrochen durch den Schlaf ist mein Schriftstellergehirn, aber auch dann nachtaktiv wie eine Fledermaus. Gedankenbilder, die in meinen Träumen auftauchen, werden im inneren System fotografiert, ja abgespeichert zu Texten. Die einzig wirkliche Unterbrechung, die Herz & Hirn fordern, heißt Bedürfnisse. Essen, Trinken, Begegnungen, Gedankenpause, Rausgehen und Wiederkommen. Die natürlichen Feinde schriftstellerischer Gedanken und schöpferischer Tiefgänge heißen Telefon, Wecker, Informations- und Reizüberflutung. Denn auch diese wollen organisiert und kanalisiert werden, damit sie nicht zum Störfall werden. Nichts ist schlimmer für einen Denker und Dichter, als aus  einem Satz, einem gerade angedachten Zusammenhang gerissen zu werden. So entstehen Texte, Wachsen und Werden, Werk und Wert des Poeten."

(Ulrike M. Dierkes, 2006)
 







Das Geheimnis des Schreibens:
 
in einer Mainacht
schrieb ich
im Traum
eine neue Lyrik
 
ich träumte,
ein Freund
hätte mir
die Nachricht
überbracht,
 
eines meiner
Gedichte sei
in einer Zeitung
erschienen.
 
Im Traum besorgte
ich mir sofort das
Blatt und las mein
Gedicht, das mir
bis dahin selber
unbekannt war.
 
Vielleicht ist es ja so,
dass Traumbilder
zu Werken werden,
ein Musiker in seinen
Träumen komponiert,
 
und meine Feder
Träume verarbeitet
die das Universum,
mir schickt.
 
(Ulrike M. Dierkes,
17. Mai 2015)




 
und ein Text aus 2021:

Gedanken sind frei

Hilfe,
jetzt ist er zum Fenster raus
- mit dem Schlaf ist es aus

Eigentlich wollte ich nur...
da flog er von dannen  
war schon auf dem Flur

ich wollte ihn eigentlich überdenken,
bearbeitet in wohlfeile Bahnen lenken

doch beim Versuch
ihn wieder einzufangen

ist gründlich etwas daneben gegangen.

Ich schließe das Fenster,
mach die Türe schnell zu

nun habe ich erstmal meine Ruh.

Beim Frühstück plagt mich mein Gewissen,
ich hatte gerade ins Brötchen gebissen

nee, denke ich, kannste so nicht lassen
aber was kann ich tun? Nicht zu fassen.

Ich wähl' mich kurz ins Universum ein:
"Plies hold se Lein, Plies hold se Lein"

ich übe mich jetzt in Geduld,
da muss ich jetzt durch,

selbst schuld

"Please hold the Line...
wir sind gleich für sie da..."
hurra!

Es meldet sich nach einiger Zeit:
"Universum. Abteilung Zeitvertreib".

Ich schildere kurz mein Possenstück

jemand sagt:
"Keine Angst, wir schicken alles zurück!"

"ach du Sch..." höre ich mich sagen
dabei wollte ich doch lediglich fragen...

"Jetzt ist es zu spät,
  wer Gedanken sät...
  Wir weisen zum Glück
  alles an den Absender zurück"

Ist ja nicht zu fassen.

"Nicht schlimm!", sagt die Stimme, "einfach lassen!"

Am nächsten Tag klingelt's
mich aus dem Traum,
ich raus aus dem Bett, hinein in den Raum
schnell an den Tag ein Stoßgebet.
"Post! Ein Paket!"

Ich schaue mich selber fragend an,
"Ich stell's auf die Treppe", ruft ein Mann

Ein Blick auf den Absender
da steht nur: "zurück!"

Da habe ich ja nochmal richtig Glück

Es entweicht ein Gedanke

der mir bekannt
zurück an mich, von unbekannt.

(Ulrike M. Dierkes, 5/2021)  
 



Regentropfen


Das Wetter hielt sich
an die Vorhersage


es ergießt sich
als Regen
in einer Ansammlung
zahlreicher Tropfen
pünktlich über das Land


Ich hatte mich
niedergelassen
und schrieb,

in Gedanken
versunken,


einen Brief,


genauer gesagt
an einen der
Regentropfen


ich war sicher,


er würde mir schon
die Zeit vertreiben


und schrieb, den
herabfallenden
Regentropfen
zuhörend,


einen Brief,


während der Regen
mit seinem eigenen
Echo auf Blech
eine eigene Melodie
komponierte,


Kleine Wassermusik


als meine Gedanken,
Worte und Sätze
plötzlich von einem
herabfallenden Tropfen
auf mein
wasserfestes Blatt
getroffen und unterbrochen
wurden

Zuerst dachte ich



es sei eine Träne

und es hätte mich
gewundert,


wenn mich meine
eigenen Gedanken
zu Tränen gerührt
hätten


die das Blau
meiner Augen
widerspiegeln


dann sah ich,   

dass es viel mehr
als ein Tropfen

oder eine Träne

 war

es war eine
Tintenfee
die sich auf
meinem wasserfesten


Papier
niederließ


ich schrieb weiter,
um sie herum

ich schrieb
das Graue
vom Himmel


und hoffte,
dass es blau
werden würde,


so blau
wie meine Augen
und die der
Tintenfee


(Ulrike M. Dierkes, 2007)



Frühling am Aasee in Münster, meiner Geburtsstadt





Frühling


warte schon

seit Eises Zeiten

hochgeschlagen

meinen Kragen

kuschelig im Fell

Wärme mich noch

in des Bettes

hoch erhitzter Decke

träume heimlich

still und leise

von Osterglocken

und Narzissen

in den hocherhitzten

Kissen

Lieber Frühling,

Schnee und Glocken

Lasst mich nicht

als Häschen

hocken

halberstarrt

in Eis und Fell

zwischen Rand und Resten

Erstes

Frühlings-Rendezvous

Erste Schmelze

Himbeersahne

Lecke mir am Himbeereis

alleine meine Zunge heiss


(Ulrike M. Dierkes, März 2006)


Frühling auf der Lahnhöhe 2021



Februar 2021 am Rhein





Winter am Dreifelder Weiher Januar 2021





Eisbeeren am Dreifelder Weiher 2021







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Gabriele


Liebe Frau Dierkes,

nun habe ich >Schwestermutter< zu Ende gelesen und möchte sagen, dass mich gerade die letzten Seiten sehr bewegt haben. Das ist das persönliche Schicksal, es immer mit sich herum zu tragen - eine Lebensaufgabe, die man annehmen muss. Sie tun es auch stellvertretend und das finde ich sehr großartig. Ich fühle mich dadurch verbunden.-danke.

(G.F., 24.05.2020)



24.5.2020-18:36
Alexandra.
Ich möchte nicht schleimen. Will Ihnen nicht sagen welche Bücher ich von Ihnen gelesen habe. Oder Sie bemitleiden. - Ich möchte Ihnen lediglich sagen, das ich es gut finde, das Sie existieren, leben & überlebt haben. Die Welt braucht Menschen wie Sie. - Menschen die den Mund auf machen. Lassen Sie ihn sich bitte niemals verbieten.

Liebe Grüße.
13.12.2011-13:23
Maria
Hallo Frau Dierkes!...gerade habe ich Ihr Buch zu Ende gelesen... Ich bewundere Sie sehr, für Ihren Lebensmut, dass Sie nie aufgehört haben zu kämpfen und ein Zeichen setzen! Da ich selber in der Nähe von Münster lebe, kann ich die Beschreibungen, Ignoranz und das Weggucken der Münsterländer, so gut nachvollziehen... Wie wunderbar, dass Sie immer an sich geglaubt haben!!!!!! Auf dass es mehr Menschen gibt, die sich trauen etwas zu sagen, nicht wegsehen,kämpfen und gewinnen.

Sie haben so viel getan und erreicht, ich wünsche Ihnen für alles weitere genauso viel Kraft, Mut und starke Menschen an Ihrer Seite!
Viele Grüße aus dem Münsterland, Maria.
8.11.2011-1:24
Andrea
Liebe Frau Dierkes

Ich kaufte Ihr Buch Schwestermutter vor paar Wochen, habe mir das Buch aber nicht gleich zum lesen hingelegt. Ich schätze, ich wusste warum.

Dieses Buch ist so schonungslos,"grausam" geschrieben, hinsichtlich dessen, was Inzestkinder und deren Mütter selbst heute noch, in unserer Ach so aufgeschlossenen Gesellschaft erdulden müssen... Ich brauchte 3 Anläufe bis ich Ihre Buch zu Ende lesen konnte. Es hat mich zutiefst betroffen gemacht. Ich bewundere aber auch Ihren Mut, Ihre Kraft und Durchhaltewillen, nicht unterzugehen,sondern für Ihre Rechte zu kämpfen. Ihr Recht zu leben, zu lieben und geliebt zu werden.

Frau Dierkes, ich wünsche Ihnen und Ihrer Stiftung alles erdenklich Gute, Kraft und Durchhaltewillen, all jenen zu helfen, die nicht soviel Lebensmut in sich tragen, wie Sie es in sich hatten und noch immer haben.

Liebe Grüsse aus der Schweiz, Andrea
7.7.2011-13:42
Isabella
Liebe Frau Dierkes!
Ich bin nicht durch Zufall auf ihr Buch gestoßen.
Vor etwa einem Monat erzählte mir meine Mutter, dass ich eine Schwester habe, die auch meine Tante ist. Als erste Reaktion habe ich Bücher zu dem Thema gesucht und bin sofort auf Ihres gestoßen.
Es hat mich wirklich sehr berührt und mir sehr weitergeholfen!
Vielen Dank!
19.10.2010-18:02
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